Johannes (Pommer), Erzbischof von Riga

Aus Orthpedia
Zur Navigation springenZur Suche springen
Schrein mit seinen Reliquien in der Kathedrale von Riga

Gedächtnis: 29. September (alter Stil) / 12. Oktober (neuer Stil)

Der heilige Hiero-Neumärtyrer Johannes (Pommer), Erzbischof von Riga und Mitau, wurde am 6. Januar 1876 als Ivan Andrejewitsch Pommer auf dem Hof Ilzessala in der Gemeinde Prauliena im heutigen Lettland als Sohn einer frommen orthodoxen lettischen Bauernfamilie geboren. Seine Eltern waren einfache und gottesfürchtige Christen; bereits sein Urgroßvater hatte zu den ersten Letten gehört, die den orthodoxen Glauben annahmen. Von Kindheit an half Johannes seinen Eltern bei der schweren bäuerlichen Arbeit. Zugleich zeichnete er sich durch Nachdenklichkeit, Fleiß und eine besondere Liebe zum Worte Gottes aus.

Im August 1887 trat er in die Geistliche Schule von Riga ein und setzte seine Ausbildung ab 1891 am Geistlichen Seminar von Riga fort, das er 1897 mit einem Diplom ersten Grades abschloss. Nachdem er zunächst als Lehrer an kirchlichen Schulen gewirkt hatte, studierte er von 1900 bis 1904 an der Geistlichen Akademie von Kiew, die er mit Auszeichnung und dem Grad eines Kandidaten der Theologie abschloss. Auf den Rat des heiligen Gerechten Johannes von Kronstadt empfing er 1903 die Mönchsweihe und den Namen Johannes. Am 23. September desselben Jahres wurde er zum Hierodiakon und am 13. Juli 1904 zum Priestermönch geweiht.

Nach Abschluss seiner Studien wurde Vater Johannes Lehrer für die Heilige Schrift am Geistlichen Seminar von Tschernigow und erwarb sich bald den Ruf eines begabten Pädagogen. 1906 wurde er zum Inspektor des Geistlichen Seminars von Wologda ernannt. Am 26. September 1907 erfolgte seine Erhebung zum Archimandriten; wenig später wurde er Rektor des Litauischen Geistlichen Seminars in Wilna und Vorsteher des dortigen Dreieinigkeitsklosters. Durch seinen unermüdlichen Einsatz erlebte das Seminar eine bedeutende Erneuerung.

Am 11. März 1912 empfing Archimandrit Johannes in der Alexander-Newski-Lawra die Bischofsweihe zum Bischof von Sluzk und Vikarbischof der Diözese Minsk. An seiner Weihe wirkten unter anderem der spätere hl. Hiero-Neumärtyrer Vladimir (Bogojawlenski), Metropolit von Moskau, und Metropolit Flavian von Kiew mit. Nach weiteren bischöflichen Aufgaben wurde Johannes 1913 Bischof von Taganrog und dem Asowschen Gebiet und 1917 Bischof von Stariza, Vikar der Diözese Twer.

Am 22. April 1918 wurde er Bischof von Pensa und Saransk und später zum Erzbischof erhoben. Seine dortige Amtszeit fiel in die ersten schweren Jahre der bolschewistischen Kirchenverfolgung. Zugleich musste er gegen die von dem seines Amtes enthobenen Erzbischof Vladimir Putjata begründete kirchliche Spaltung kämpfen. Durch seine Predigten, seine Standhaftigkeit und seine Treue zur kanonischen Kirche gewann er das Vertrauen zahlreicher Gläubiger.

Schon bald wurde der Hierarch selbst zum Ziel der Verfolger. Während der Lichten Woche des Jahres 1918 drangen zwei Männer in das Kloster ein, in welchem er wohnte, und einer von ihnen schoss auf ihn. Ein Mönch schlug dem Angreifer im entscheidenden Augenblick gegen den Arm, sodass die Kugel den Bischof lediglich am Bein verwundete. Als herbeigeeilte Arbeiter die Angreifer töten wollten, trat Johannes für deren Leben ein und verhinderte ihre Tötung. Auch weitere Anschläge und Verfolgungen vermochten ihn nicht von seinem Dienst abzubringen.

Mehrfach wurde der Hierarch verhaftet. Einmal bereitete man bereits seine Erschießung vor, doch die Gläubigen verlangten nachdrücklich seine Freilassung, sodass er in der Nacht vor der vorgesehenen Hinrichtung aus dem Gefängnis entlassen wurde. Im Oktober 1919 wurde er erneut festgenommen und schließlich nach Moskau gebracht. Dort teilte er die Zelle mit gewöhnlichen Strafgefangenen. Als ein betrunkener und halb erfrorener Gefangener eingeliefert wurde, nahm sich der Erzbischof seiner an, wärmte und ernährte ihn und pflegte ihn mit christlicher Liebe. Gemeinsam kümmerten sie sich später unter Gefahr für das eigene Leben um an Typhus erkrankte Mitgefangene. Da die gegen Erzbischof Johannes erhobenen Anschuldigungen nicht bewiesen werden konnten, wurde er im März 1920 freigesprochen.

Nachdem er wesentlich zur Überwindung der kirchlichen Spaltung in Pensa beigetragen hatte, wurde Johannes zum Erzbischof von Riga und Mitau berufen. 1921 übernahm er die Leitung der Orthodoxen Kirche in Lettland. Auf seine Bemühungen hin erhielt diese eine weitgehende Autonomie innerhalb der Russischen Orthodoxen Kirche, die am 21. Juni 1921 durch den hl. Patriarchen Tichon, den Synod und den Obersten Kirchenrat bestätigt wurde. Erzbischof Johannes genoss sowohl unter den lettischen als auch unter den russischen orthodoxen Gläubigen großes Ansehen und bemühte sich darum, die kirchliche Einheit über die Grenzen der Nationalitäten hinweg zu bewahren.

Von 1926 bis 1931 gehörte der Erzbischof dem lettischen Parlament, der Saeima, an, wo er insbesondere die Rechte der Orthodoxen Kirche verteidigte. 1926 wurde die rechtliche Stellung der Orthodoxen Kirche gesetzlich abgesichert. Ihre Gemeinden und Einrichtungen erhielten den Status juristischer Personen, ihre Eigentumsrechte wurden gewährleistet, und die Errichtung orthodoxer Schulen und Vereinigungen wurde ermöglicht. Am 1. Dezember 1926 konnte auch das Geistliche Seminar von Riga wiedereröffnet werden. Zugleich setzte sich der heilige Johannes für die Bildungs- und Kulturrechte der russischen Bevölkerung Lettlands ein.

Die vielen Jahre unablässiger Arbeit und Verfolgung hatten die Gesundheit des Erzbischofs schwer angegriffen. Wegen seiner körperlichen Leiden zog er sich schließlich auf die bischöfliche Sommerresidenz am Kišezers-See bei Riga zurück. Dort erlitt er in der Nacht zum 12. Oktober 1934 einen grausamen Märtyrertod. Die Täter fesselten den Erzbischof an eine ausgehängte Tür und folterten ihn schwer. Seine Beine wurden dem Feuer ausgesetzt, er wurde angeschossen und schließlich lebendig dem Feuer übergeben.

Die Hintergründe des Mordes konnten niemals abschließend geklärt werden. Im Laufe der Zeit wurden verschiedene Erklärungen vorgebracht. Weite Verbreitung fand insbesondere die Annahme einer Beteiligung sowjetischer Agenten, da Erzbischof Johannes Kontakte zu orthodoxen Gläubigen in der Sowjetunion unterhielt, Nachrichten über die dortige Kirchenverfolgung erhielt und sich öffentlich gegen den Kommunismus stellte. Doch auch diese Erklärung beruht auf Indizien und Vermutungen und konnte nicht zweifelsfrei bewiesen werden.

Verherrlichung und Reliquien

Im Jahre 2001 wurde Erzbischof Johannes durch das Konzil der Lettischen Orthodoxen Kirche unter die Heiligen aufgenommen. Noch im selben Jahr wurde sein Name durch Beschluss des Heiligen Synods der Russischen Orthodoxen Kirche in die Synaxis der Neumärtyrer und Bekenner der Russischen Kirche aufgenommen. Im Jahre 2003 wurden seine unverwest aufgefundenen Reliquien aus der Kirche zum Schutz der Allheiligen Gottesgebärerin auf dem Pokrov-Friedhof in die Kathedrale der Geburt Christi in Riga übertragen, wo sie zur Verehrung der Gläubigen ruhen.

Quelle: Orthodoxe Enzyklopädie „Drevo“, „Иоанн (Поммер)“

Gebete

Troparion (4. Ton)

Die göttliche Gnade hast du empfangen und den gottlosen Trug niedergeworfen; als guter Hirte des Landes Lettland bist du erschienen, heiliger Hiero-Neumärtyrer Johannes. Von göttlicher Liebe den Geist entflammt, hast du dich mannhaft dem Feuertod gestellt. Daher gewährst du denen, die dich bei deinem Namen anrufen, Gnadengaben. Deshalb rufen wir zu dir: Bitte Christus, unseren Gott, Vergebung der Sünden zu schenken denen, die in Liebe dein heiliges Gedächtnis feiern.

Kondakion (2. Ton)

Den gottbegeisterten Bekenner Johannes, der grausame Qualen erduldete und lebendig verbrannt wurde, hast Du, o Herr, als makelloses Opfer angenommen, der Du allein Deine Heiligen verherrlichst.

Gebet

O allseliger heiliger Hiero-Neumärtyrer und Hierarch, unser Vater Johannes, Streiter für die Wahrheit Gottes und Verteidiger des heiligen orthodoxen Glaubens Christi, der du die Lästerer der Heiligen Kirche zurechtgewiesen, die Feinde vertrieben, die Bedrängten beschützt hast und allen gläubigen Christen ein warmer Fürsprecher bist! Von ganzer Seele hast du von Jugend an die Gebote Christi geliebt. In den Tagen der grausamen Verfolgung des orthodoxen Glaubens bist du als wahrer Hirte erschienen und hast den Kreuzesweg beschritten: Schmähung, Gefangenschaft und Verleumdung hast du erduldet und so die Krone des Martyriums empfangen und die Gnade erlangt, für uns zum Herrn zu beten. Wir wissen, dass du, vor dem Throne des Allherrschers stehend, große Freimütigkeit im Gebet vor dem Herrn besitzt.

So fallen wir nun demütig vor dir nieder und bitten dich inständig: O unser schneller Beschützer, heiliger Hiero-Neumärtyrer und Hierarch, Vater Johannes, erhöre uns, deine sündigen und unwürdigen Kinder! Bitte den allbarmherzigen Herrn und Seine allreine Mutter, die Allheilige Gottesgebärerin, dass wir den orthodoxen Glauben bewahren, dass unsere Heilige Kirche in der Einheit des Friedens und der Liebe gestärkt werde, dass die von der Heiligen Kirche Abgefallenen wieder zu ihr zurückkehren und dass unser Land Lettland in Frieden, christlichen Tugenden und Wohlergehen bewahrt werde.

Hilf uns, unseren Verstand nicht mit eitler menschlicher Weisheit zu nähren, sondern mit der demütigen Erkenntnis des Willens Gottes. O heiliger Gottesdiener, verschmähe uns nicht, die wir zu dir beten: Nicht allein um Befreiung von Nöten und Bedrängnissen bitten wir, sondern um Kraft und Standhaftigkeit, Großmut und Liebe, damit wir die über uns kommenden Prüfungen ertragen können. Erbitte uns unermüdliche Geduld bis zum Ende unseres Lebens, Frieden mit dem Herrn und Vergebung unserer Sünden.

Ja, heiliger Hiero-Neumärtyrer, bitte den Herrn, unseren Gott und Erlöser Jesus Christus, den Sohn Gottes, dass wir von allem Bösen befreit werden und dass dieses Gotteshaus, diese Stadt und unser Land sowie die Menschen, die dich in Frömmigkeit verehren, vor jeder Not bewahrt werden: vor Krankheit, Hunger, Überschwemmung, Feuer, Schwert, dem Einfall Fremder und innerem Streit, vor Verleumdung und jeglichem bösen Unheil.

Durch deine heiligen Gebete sammle die Zerstreuten, führe die Irrenden auf den rechten Weg, stütze die Alten, unterweise die Jungen, erziehe die Kinder und festige uns alle, die wir dich in Liebe verehren, damit wir in Liebe zueinander verbleiben und einmütig den Vater und den Sohn und den Heiligen Geist bekennen, die wesenseine und unteilbare Dreiheit, und so des Himmlischen Reiches gewürdigt werden, wo der allverehrte und herrliche Name der Allheiligen, lebenspendenden und unteilbaren Dreiheit verherrlicht wird. Amin.